IFS- Internationale Frauengruppe Sittensen - Thema:Thilo Sarrazin und Integration Artikel 18.09.2010 Zevener Zeitung
   
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Thilo Sarrazin hat mit seinem Buch „Deutschland schafft sich ab“ eine Integrationsdebatte ausgelöst. Ebenso sorgte die angekündigte Koranverbrennung in Florida für religiöse Spannungen. Die Zevener Zeitung sprach mit Halil Ibrahim Arican von der Islamischen Gemeinschaft Sittensen über die Situation von Migranten in Deutschland. Von kathrin harder-von fintel

Wie bewerten Sie die aktuelle Integrationsdebatte rund um Thilo Sarrazin?

Ich finde es schade, dass man so ein wichtiges Problem für beide Seiten diskutieren und publik machen muss durch so eine Person wie Herrn Thilo Sarrazin, der bekannt für seine negative Einstellung zu Migranten ist.

Herr Sarrazin hat mit einigen Schilderungen der Migrationsprobleme sicherlich recht, aber dass er pauschalisiert und die Migranten, insbesondere Moslems, über einem Kamm schert, ist nicht akzeptabel. Jedem ist bekannt, dass es Migranten gibt, die in sein Schema passen, aber viele Migranten, die in Deutschland leben, die die deutsche Kultur und Gesetze achten und die sich mittlerweile als Bürger von Deutschland fühlen, übersieht er.

Wie kann ein Miteinander zwischen Deutschen und Migranten besser funktionieren?

In erster Linie ist es wichtig, dass man sich gegenseitig respektiert und akzeptiert. Viele Migranten, die sich mittlerweile hier beheimatet fühlen, haben aber gleichzeitig das Gefühl, dass sie von der deutschen Gesellschaft nicht akzeptiert werden. Die Andersartigkeit der Menschen sollte als eine Bereicherung gesehen werden, nicht als ein negatives Hindernis. Die Deutsche Sprache ist das A und O für eine Integration und das Zusammenleben. Hier sind die Migranten dringend gefordert, das Problem zu erkennen.

Ebenso sollte ein intensiverer Dialog mit den Menschen über Religion und Kultur geführt werden, um sich besser gegenseitig zu verstehen. Auch wenn es noch Konflikte und Verständigungsprobleme zwischen den Deutschen und Migranten gibt, können nur im Dialog Lösungen gefunden werden, die für beide Seiten akzeptabel sind. Obwohl verschiedene Nationen schon über ein halbes Jahrhundert in Deutschland zusammen leben, ist es von beiden Seiten kaum zum intensiven Kennenlernen gekommen. Wenn auch eventuell Berührungsängste hiermit was zu tun haben, finde ich es persönlich sehr schade.

Was halten Sie von Überlegungen innerhalb der Bundesregierung, integrationsunwilligen Mitbürgern ausländischer Herkunft finanzielle Zuwendungen des Staates zu kürzen?

Wie wir alle wissen, ist Deutschland ein Sozialstaat. Keiner soll verhungern. Jemanden zu beurteilen, ab wann er integrationsunwillig ist, sehe ich als sehr schwierig an. Zum Beispiel eine Person, die ihrer Pflicht bei Arbeitslosigkeit nicht nachkommt, werden die Bezüge gekürzt. Genauso, wenn ein Migrant sich weigert, einen Deutschkurs zu besuchen, um besser vermittelt zu werden, bin ich dafür, die Zuwendungen aus staatlicher Sicht zu kürzen. Für mich ist wichtig, dass genau definiert wird, was die Regierung unter integrationsunwillig versteht.

Was können bereits integrierte ausländische Bürger tun, um Unwillige zu integrieren?

Die Hauptfrage steckt in dem Wort integrierter Bürger und nicht integrierter Bürger. Auch hierbei muss geklärt werden, ab wann ein Bürger als integriert angesehen wird und wann nicht. Wenn man unter Integration versteht, dass ein Migrant die Gesetze, die Sprache, die Kultur und die deutschen Werte akzeptieren und respektieren soll. Es sind hierzu bereits sehr viele Organisationen von integrierten Migranten gegründet worden, die durch Aufklärungsarbeit und Erzählungen diese Werte vermitteln.

Sollte Ihrer Meinung nach jeder, der hier leben möchte, die deutsche Sprache sprechen können?

Natürlich ist die Sprache das wichtigste Fundament, um in Deutschland am gesellschaftlichen, beruflichen und kulturellen Leben teil zu haben.

Sind Sie der Meinung, dass Deutsche genügend dafür tun, Einwanderer zu verstehen und ihre Religion zu begreifen?

Meiner Meinung nach wird nicht genug getan, um die Einwanderer zu verstehen und zu begreifen. Hier ist sicherlich auch die Politik gefragt. Es gibt zwar schon viele konstruktive Ansätze der Integrationspolitik, aber auch viele, die dieses verhindern. Den Menschen muss begreiflich gemacht werden, dass Deutschland ohne Einwanderung nicht mehr auskommt. Besonders die Volkswirtschaft, der Bevölkerungswandel und die Finanzierung unseres Sozialstaates sind auf die Einwanderer angewiesen. Wir müssen also miteinander auskommen. Das wird von der politischen Seite sehr wenig an den Bürger kommuniziert. Das würde sicher mit dazu betragen, dass man ein besseres Verständnis füreinander hat.

Fehlt hier manchmal das Verständnis für die unterschiedlichen Kulturen?

Ich denke es fehlt manchmal an Verständnis, aber sicherlich viel aus Unwissenheit, weil der eine von dem anderen zu wenig über seine Kultur weiß. Es fällt vielen Menschen immer noch sehr schwer, das Fremde zu akzeptieren.

Wie hätten Sie reagiert, wenn in Florida der Koran verbrannt worden wäre?

Eine derartige Provokation ist schon fast unerträglich und abstoßend. Emotional gesehen wäre ich sehr getroffen worden und sehr traurig gewesen. Aber sachlich gesehen hat man in der Geschichte genügend Beispiele von solch radikal provozierenden Menschen, wie es hier der Fall gewesen wäre. Ich persönlich halte solche Menschen, die solche Taten vollbringen wollen, für armselig und irre.

War die angedrohte Koranverbrennung Thema bei den Sittenser Muslimen?

Natürlich war es auch Gesprächsthema unter den Sittenser Muslimen wie auf der ganzen Welt. Überall ist das auf Empörung gestoßen. Aber die Reaktion unter den Sittenser Muslimen war wie meine persönliche Meinung. Sie konnten solch ein Handeln auch kaum nachvollziehen.

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